Zu den Besonderheiten der Arbeit im kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgebiet gehört die Behandlung in einem multiprofessionellen Team. Das bedeutet, dass Mitarbeiter der verschiedenen Professionen eng zusammenarbeiten und sich regelmäßig über die gemeinsamen Patienten austauschen. Jedes Kind, jeder Jugendlicher hat einen fallführenden Therapeuten, der in regelmäßigen wöchentlichen Visiten und Fallbesprechungen die Diskussion für das Kind führt und den therapeutischen Prozess lenkt.

Im multiprofessionellen therapeutischen Team arbeiten:

  • Assistenz- und Fachärzte
  • Psychologische Psychotherapeuten
  • Sozialpädagogen
  • Fachtherapeuten in Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • Ergotherapeuten
  • Musiktherapeuten
  • Mototherapeuten
  • Kunsttherapeuten
  • Sozialarbeiter
  • Mitarbeiter der Sekretariate
  • Lehrer der Klinikschule

Psychotherapie

Im Einzel- und Gruppensetting werden verschiedene störungsspezifische Therapieverfahren mit dem Ziel eingesetzt, neue Wege des Erlebens und Verhaltens zu finden. Begleitend finden Familien- und Elterngespräche statt, um intrafamiliäre Interaktionsmuster zu verändern, familiäre Ressourcen zu nutzen und den Transfer in den Alltag zu unterstützen.

Elterntraining

Das Elterntraining ist ein fester Therapiebestandteil auf den Therapiestationen und wird vom Pflege- und Erziehungsdienst angeboten. Unser Anliegen ist es, Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu unterstützen und dabei systemisch auf die Stärken der Familien aufzubauen – strukturiert, alltagsnah, ziel- und verhaltensorientiert.

Milieutherapie

Kinder und Jugendliche brauchen in ihrem Entwicklungsprozess Unterstützung, Führung und Erziehung, was im Stationsalltag durch die sogenannte Milieutherapie (Behandlung durch Zusammenleben) gewährleistet wird. Neben Alltagsgestaltung, Gesprächen, unterschiedlichen Aktivitäten und speziellen Therapiegruppen sind die Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes für die intensive Beziehungsgestaltung und die Schaffung einer emotional tragenden Atmosphäre zuständig.

Sozialarbeit

Bedeutet

  • Information, Beratung und Klärung von Hilfsangeboten für das Kind und/oder die Familie
  • Beratung und Begleitung bei Behördenkontakten (Hilfeprozess Jugendamt)
  • Koordinierung von Hilfen und Vermittlung an weiterführende Beratungsstellen und/oder Einrichtungen
  • Unterstützung beim Übergang von der Klinik in ein Hilfsangebot der Jugendhilfe oder Schule
  • Beratung von Mitarbeitern und Einrichtungen der Jugendhilfe und pädagogischer Einrichtungen
  • Sicherung des Kindeswohls und Krisenintervention in Konfliktsituationen
  • Beratung und Unterstützung des gesamten Teams und der Hilfesuchenden in sozialrechtlichen, schulischen und beruflichen Fragen

Für die Mitarbeiter des Sozialdienstes der Psychiatrie – bitte hier klicken.

Ergotherapie

Ergotherapeutinnen

Bettina Krieg
Begleiterin in der „Arbeit am Tonfeld“ i. A. Sensorische Integrationstherapie / Grundkurs
Kathleen Dabrowski
Zertifikate: Linkshändigkeit Intra Act Plus-Konzept nach Jansen und Streit bei Kindern und Jugendlichen Dyskalkulie Aggressives und dissoziales Verhalten Internalisierende Störungen (soziale Unsicherheit und kinderspezifische Ängste)

Die Ergotherapie, welche mit „Heilen durch Handlung“ übersetzt werden kann, stellt eine nicht-ärztliche Behandlungsmethode dar, um den Patienten bei der Wiedererlangung seiner größtmöglichen körperlichen, psychischen und sozialen Fähigkeiten zu unterstützen. Sie ist eine aktions- und handlungsorientierte Therapieform, in der mit kreativen, handwerklichen und gestalterischen Techniken gearbeitet wird. Zudem stehen die basalen sensomotorischen Funktionen sowie die sozialen Kompetenzen im Zentrum der Ergotherapie. Die Entwicklung der Motorik, der Wahrnehmungsverarbeitung, der Kognition und des Sozialverhaltens stehen oftmals in engem Zusammenhang mit den individuellen Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen und werden speziell getestet und gefördert. Demnach sollen die Kinder und Jugendlichen „tätig sein“ und dadurch befähigt werden, im Alltag zurecht zu kommen.

In der Arbeit am Tonfeld® und im Ausdrucksmalen werden die Kinder und Jugendlichen einzeln begleitet. Bei der Arbeit am Tonfeld® findet das Kind/der Jugendliche sich an einem mit Ton gefüllten Holzkasten vor. Über das Berühren und das Greifen der Hände am Tonfeld werden die Bedürfnisse des Kindes oder des Jugendlichen deutlich. Werden diese angesprochen, kann das Kind/der Jugendliche zu einer erfüllten Gestaltung gelangen, die wiederum eine positive Rückwirkung auf die Lebenssituation hat.

Durch die Arbeit mit handwerklich-gestalterischen Techniken (Ton, Holz, Speckstein, Filzen, Seidenmalerei, Peddigrohr…) erleben sich die Patienten in ihrer Selbstwirksamkeit, können fein- und grobmotorische Fähigkeiten verbessern sowie ihre Anstrengungsbereitschaft, Konzentrations- und Ausdauer erhöhen. Selbstwertgefühl und Selbstständigkeit werden ebenso gefördert, wie Handlungsplanung und -ausführung. In gruppendynamischen Prozessen (Projektarbeiten, Spiel) sollen Kritikfähigkeit und Toleranz erhöht, eigene Ideen und Wünsche geäußert als auch Durchsetzung und Integration trainiert werden. Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen sollen helfen, das Körperschema und das Körpergefühl positiv zu entwickeln, als auch Spannungen, Ängste und Aggressionen abzubauen.

Kunsttherapie

Therapeutin

Lisa Gutte
B. A. (Kunsttherapie, Kunstpädagogik) Zertifikat: Kurze strukturierte Kunsttherapie

Die Kunsttherapie bietet den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich auf nonverbaler Ebene wertfrei mit Hilfe von künstlerischen, sinnlich erlebbaren Materialien wie Ton und Farbe Ausdruck zu verschaffen. Hierbei wird ihnen ein Zugang zu ihrer eigenen Kreativität geöffnet.
Im kunsttherapeutischen Prozess wird das Kind/der Jugendliche individuell auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten hin wahrgenommen und gefördert, wodurch sich Entwicklung vollziehen kann.
Beim Ausdrucksmalen bieten die Begleitung, der Raum mit seiner Malwand und Malpalette einen optimalen Rahmen, in dem das Kind/der Jugendliche sich frei entfalten kann und dadurch innere Bilder zum Ausdruck kommen.

Mototherapie

Therapeut

Sebastian Strotzer

Kindheit ist eine bewegte Zeit. In keiner anderen Lebensstufe spielt Bewegung eine so große Rolle wie in der Kindheit. Das Kind erfährt seine Umwelt als Bewegungswelt. Es entdeckt sich und die Welt durch Bewegung – über seinen Körper und seine Sinne.

Diese Tatsache ist Grundgedanke der Mototherapie und findet sich im ganzheitlichen Förderungsprozess bei der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen wieder. Es geht vor allem darum, das Kind zu befähigen, sich sinnvoll mit sich selbst, seiner dinglichen und personalen Umwelt auseinanderzusetzen und entsprechend zu handeln. Die Inhalte der Motopädagogik sind weit gefächert und kindspezifisch variabel. Die Gestaltung von Bewegungsräumen und die Durchführung offener sowie angeleiteter Bewegungsangebote stehen dabei im Mittelpunkt. Durch entsprechend entwicklungsgemäße und kindgerechte Übungsangebote innerhalb der psychomotorischen Förderung soll das Kind eine weitgehend selbständige Handlungsfähigkeit erlangen.

Dabei sind folgende drei Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung die Schwerpunkte:

  • Ich-Kompetenz (Selbst-Kompetenz) - das heißt, sich selbst und seinen Körper erfahren und erleben
  • Sach-Kompetenz (Material-Kompetenz) - das heißt Auseinandersetzung mit der dinglichen Umwelt mit ihren Materialien, Gegenständen und Hindernissen
  • Sozial-Kompetenz - das heißt zu lernen, sich in der sozialen Gemeinschaft anzupassen, aber auch eigene Bedürfnisse über die Kommunikation zu äußern und durchzusetzen

Um erfolgreich handlungsfähig zu sein, benötigt das Kind also ausreichende Erfahrungen im Wahrnehmungsbereich, Bewegungsbereich und emotional-sozialen Bereich. Aus den unterschiedlichsten Gründen ist es manchen Kindern nicht möglich, ausreichend differenzierte und vielfältige Erfahrungen und Kenntnisse in diesen Bereichen zu sammeln.

Ziel der Mototherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist es, an Stärken zu arbeiten, sie zu fördern und damit Selbstwertgefühl und Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu steigern. Aber auch Defizite werden nicht außer Acht gelassen und durch individuelle psychomotorische Förderprogramme beeinflusst, auch das therapeutische Schwimmen wird zur Vermittlung intensiver Körpererfahrung und zur Durchführung vielfältiger Bewegungsangebote genutzt.

Musiktherapie

Musiktherapeutin

Tina Bernhardt

Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.

In der Musiktherapie wird Musik als Mittel verwendet, um wechselseitige Interaktion und nonverbale Kommunikation in einer Beziehung zu ermöglichen, besonders dort, wo Worte allein nicht die momentane Lebens- und Gefühlswelt der Klienten ausreichend einfangen können. Durch die Musik als unbedrohliches, symbolhaftes Element und verbindendes Drittes in einer Beziehungsgestaltung können alle Äußerungen menschlichen Lebens ausgedrückt und zugleich unmittelbar erlebbar und somit veränderbar werden. Dort, wo bio-psycho-soziale Bedingungen eine gesunde Entwicklung behindern, kann sich eine Person weiterentwickeln.

Oft fern von jeglicher Krankheitseinsicht drücken vor allem Kinder ihr Erleben selten in Worten, vielmehr im Handeln, im Spiel aus. Musik als erlebniszentriertes, kreatives Medium eröffnet so häufig auch einen tieferen Zugang zu Emotionen als Sprache.

In der Therapie mit Jugendlichen ermöglicht Musik viele Anknüpfungspunkte, da sie meist ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags ist. In ihren unterschiedlichen Stilrichtungen ist Musik für sie Ausdruck von Lebensgefühl, von Identität und Abgrenzung. Aber auch die freie Improvisation bietet einen unterstützenden Spielraum für die Aufgaben der Pubertät.

Musiktherapeutische Angebote richten sich nach heilpädagogischen sowie psychotherapeutisch orientierten Verfahren und finden im Einzel- oder Gruppensetting in geschütztem Rahmen statt. Die Instrumente werden spielerisch und experimentell verwendet und setzen keine musikalische Vorerfahrung voraus. Die vielfältigen Möglichkeiten auf der Handlungsebene bieten ein individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klienten.

  • Bei der aktiven Musiktherapie steht die Improvisation, das freie oder strukturierte Spiel auf Instrumenten im Mittelpunkt mit dem Ziel sozial-kommunikativer sowie emotiv-psychischer Anregung.
  • Ferner wird in der Arbeit mit Kindern mit den Musikinstrumenten nicht nur und nicht immer musiziert, sondern z. B. auch ein Haus mit Klingel gebaut oder Verstecken gespielt. Dabei werden oft auch andere Medien wie Decken, Malstifte, Papier und Handpuppen verwendet.
  • Therapeutisches Singen ist eine weitere aktive, erlebniszentrierte, ressourcenorientierte Form.
  • Bei der rezeptiven Musiktherapie geht es um das bewusste Anhören von Musik mit dem Ziel der sinnlichen Wahrnehmungserweiterung, der Auseinandersetzung mit identitätsspezifischen Themen oder der Entspannung und Psychohygiene.

Die musikalische Situation wird im therapeutischen Prozess, wenn möglich, im anschließenden Gespräch reflektiert, so dass die neu erlebten Erfahrungen auf verbale Ebene zurückgeholt und neu verstanden werden können.

Qualität

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